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Die Künstliche Intelligenz

Der Hype der digitalisierten Welt

Künstliche Intelligenz begeistert viele Menschen. Doch ist uns bewusst, womit wir es da zu tun haben?

„Künstlich“ wird im Duden mit „nicht natürlich, sondern mit […] technischen Mitteln nachgebildet, nach einem natürlichen Vorbild angelegt, gefertigt, geschaffen“ definiert,

„Intelligenz“ mit der „Fähigkeit [des Menschen], abstrakt und vernünftig zu denken und daraus zweckvolles Handeln abzuleiten“.

Demzufolge bildet die KI nach „einem natürlichen Vorbild“ die Fähigkeit ab, „abstrakt und vernünftig zu denken und daraus zweckvolles Handeln abzuleiten“.

Eine kleine Umfrage in meinem Bekanntenkreis mit der Fragestellung „Wird eine KI je ein Bewusstsein ihrer selbst entwickeln können?“ ergab, dass sich das die Hälfte der Befragten vorstellen können.

Als Blickpunkt des öffentlichen Interesses hat die Nachbildung oder Simulation menschlicher Wesen eine lange Geschichte.

Schon im 19. Jahrhundert präsentierten sich auf den Ausstellungen und Jahrmärkten Automaten, die Schach spielen konnten oder andere Fähigkeiten zur Schau stellten 1.

Anhand der Dokumentationen dieser frühen Geräte ist für den kritischen Betrachter erkennbar, dass es sich oftmals um einen Betrug handelte weil letztlich Menschen die Apparaturen im Hintergrund versteckt steuerten. Und das gilt bis heute.

Auch wenn diese Simulationen, jetzt so viel komplexer, naturgetreuer und beeindruckender auftreten, sie bleiben technisch erzeugte Abbilder menschenähnlichen Kommunizierens und Handelns, basierend auf einer unglaublichen Menge an Daten. Daten aus der Vergangenheit.

Natürlich gibt eine KI diese nicht einfach unverändert weiter. Darin liegt ja ihre Faszination. Sie bewertet in jedem Moment neu, welche Antworten und Textausgaben unter Berücksichtigung aller Fragen und Antworten an sie passend erscheinen. Das Ganze geschieht über Berechnungen, den Algorithmen des Deep Learning 2. Hier kommt der „versteckte“ Mensch ins Spiel.

Die Programmierer des selbständigen Lernens einer KI haben die Fäden in der Hand. Sie hauchen der KI sozusagen ihre moralisch-ethische und politische Gesinnung ein.

Was erwarten wir also von ihr? „Intelligente“ Bewertungen? Oder gar „menschliche“?

Die KI verarbeitet, was ihr vorgesetzt wird. Dabei sind die Ausgangsparameter immer alt. Vielleicht bei sehr hoher Rechenleistung nur wenige Sekunden, doch eine Synchronizität im Jetzt des Lebens ist undenkbar Und sie kann ihren Input nur auf eine ihr in der Vergangenheit vorgegebene Weise verdauen.

Wir erliegen möglicherweise, auch wegen der Bequemlichkeit die sie uns bietet, der Versuchung, der KI unsere Bewertungen und Entscheidungen als Menschen zu überlassen.

Jedes Verhalten oder auch jeder Gedanke scheinen über dieses Feld auch allen anderen Wesen zur Verfügung zu stehen.

Wir alle sind eingebunden in ein unbeschreibliches Ganzes und mit diesem in absoluter „Jetzt-Zeit“ verbunden. Rupert Shelldrake nannte es das Morphogenetische Feld 3. In den Schriften des Buddhismus heißt es Atman 4. Shelldrake beschreibt in seinem ersten Buch „Das morphogenetische Feld“ einige Beispiele, die darauf hindeuten, dass wir permanent miteinander verbunden sind.

Eines davon ist das Phänomen, dass auf der gesamten britischen Insel nahezu gleichzeitig alle Vögel erlernten die Aludeckel der vor der Tür abgestellten Milchflaschen aufzupicken.

Jedes Verhalten oder auch jeder Gedanke scheinen über dieses Feld auch allen anderen Wesen zur Verfügung zu stehen.

Ein Beispiel aus der „Transkulturellen Kommunikation“ ist das in der Frühzeit gleichzeitige Auftreten einer bestimmten Weise Boote zu bauen … auf der ganzen Welt. Ein Austausch von Informationen war zu dieser Zeit in der Geschwindigkeit nicht möglich.

Unser kreatives Denken und logisches Handeln wird offenbar durch dieses Feld genährt. Wir sind verbunden mit einer transpersonalen Intelligenz, die allein ob unserer Wahrnehmung Veränderungen bewirkt.

Die Reaktion von uns Menschen auf Lebensumstände geschieht augenblicklich,meist reflexartig und gründet sich in früheren Erfahrungen,aber eben auch in der Anbindung an, jene „kollektive Intelligenz“: sie ist mehr als lebendig – sie ist das Leben selbst.

Die Inspiration unseres kreativen Denkens und daraus folgenden Handelns entspringt offenbar dieser Quelle. Wir alle sind verbunden mit einer unbeschreiblichen Intelligenz, die allein wenn wir etwas wahrnehmen schon Veränderungen bewirkt.

Die Reaktion von uns Menschen auf Lebensumstände geschieht augenblicklich,meist reflexartig und gründet sich in früheren Erfahrungen,aber eben auch in der Anbindung an, jene „kollektive Intelligenz“: sieist mehr als lebendig – sie ist das Leben selbst.

Diese Intelligenz ist immer neu. Sie aktualisiert sich in absoluter Echtzeit.

So ist jeder unserer Gedanken und damit jede unserer Entscheidungen und Handlungen immer neu und einzigartig. Eine lebendige Fortsetzung von allem, was wir als Wesen, und allem was ist, darstellt.

Warum also stufen wir die KI als so nützlich und kompetent ein?

Aus Sicht der Konditionierung unserer kulturellen Entwicklung fällt die Antwort einfach aus. Sie gilt als nahezu allwissend und arbeitet sehr schnell. Annahmeweise auch fehlerfrei.

Damit offenbart der „Kult“ um diese Technologie unsere fundamentale Vorstellung vom Denken, Bewerten, Entscheiden und Handeln: maximal effizient, fehlerfrei und schnell.

Können diese Paradigmen erstrebenswert und zukunftsfähig sein?

Mit vielen anderen Technologien haben wir sie zu realisieren versucht. Wir bewegen uns in kürzester Zeit von Ort zu Ort, wir sind überall erreichbar, uns stehen jederzeit scheinbar alle Informationen zur Verfügung. Wir agieren über das Internet global. Schreibprogramme korrigieren unsere Fehler, bieten uns alternativ Worte an, oder setzen sie automatisch gleich ein.

Dabei geht es um die Frage, warum uns die Leistung einer KI so attraktiv erscheint. Warum stufen wir sie als so sehr nützlich ein?

Aus der Konditionierung unserer kulturellen Entwicklung der letzten Jahrhunderte fällt die Antwort einfach aus. Sie ist nahezu allwissend und in ihrer Arbeit sehr schnell. Annahmeweise auch fehlerfrei.

Damit offenbart der Kult um diese Technologie unsere grundsätzliche Vorstellung vom Denken, Bewerten, Entscheiden und Handeln. Sie sollten maximal effizient, fehlerfrei und schnell erfolgen.

Können diese Paradigmen erstrebenswert und zukunftsfähig sein?

Mit vielen anderen Technologien haben wir sie zu realisieren versucht. Wir bewegen uns in kürzester Zeit von Ort zu Ort, wir sind überall erreichbar, uns stehen jederzeit scheinbar alle Informationen zur Verfügung. Wir agieren über das Internet global. Schreibprogramme korrigieren unsere Fehler, bieten uns alternativ Worte an, oder setzen sie automatisch gleich ein.

Hat das bislang unsere Menschlichkeit unterstützt?

Was wünschen wir uns wirklich? Wir möchten „eigentlich nur“ glücklich leben. Und glücklich macht uns doch ganz offensichtlich nicht eine perfektionierte Organisation und automatisierte Verwaltung unseres Lebens. Menschen machen nicht immer alles richtig. Niemand weiß alles. Nachdenken, Entscheiden oder Handeln findet in angemessen menschlicher Zeit statt.

Und ist es denn nicht ein Glück, wenn ich einem Menschen einen Fehler gestehen und erklären darf wie es dazu kam? Er schenkt mir seine Empathie und wir erleben Verbundenheit im Menschsein. So etwas macht ein menschliches und glückliches Leben doch aus. Jenseits aller Korrektheit und Konformität, jenseits aller Perfektion und Unfehlbarkeit.

Die Anbetung des gepriesenen technologischen Fortschritts, aktuell in Form der Digitalisierung, hat uns an den Abgrund geführt. Wir berauben uns unserer Menschlichkeit, Individualität und der Schönheit unserer Unvollkommenheit.

Die letzte Konsequenz

dieses vermeintlichen Fortschritts ist der Transhumanismus: Die Vorstellung vom Menschen als Wesen mit grundsätzlich defizitären Fähigkeiten und der Notwendigkeit, nicht nur sein Handeln, sondern den gesamten Menschen >künstlich zu optimieren.

Das wahre Glück unseres Lebens liegt aber doch in der Erkenntnis unseres wahren Seins und dem daraus entstehenden tiefen Mitgefühl mit allen Lebewesen. Wir erkennen, dass weder an uns, noch an anderen etwas veändert werden muss.

Die Verwendung der Technologie der künstlichen Intelligenz ist in manchen Bereichen hilfreich. Wenn wir ihr aber Entscheidungen und Beurteilungen überlassen, für die allein wir als Menschen eine Kompetenz besitzen, kann sie uns in eine Hölle der Ignoranz und Unmenschlichkeit führen.

Ein schreckliches Beispiel dafür ist ihr Einsatz im Angriff der israelischen Armee auf den Gaza-Streifen. Nahezu ohne menschliche Beteiligung erstellt eine KI Tötungslisten, ortet die Personen auf dieser Liste und gibt die Zielkoordinaten an bewaffnete Drohnen weiter, die diese Menschen und natürlich alle im Umfeld mittels Raketenbeschuss töten 5.

Die „Fehlerquote“ liegt angeblich bei 20%. Unbeteiligte und unschuldige Menschen werden demnach aufgrund unrichtiger Bewertung einer KI als Bedrohung klassifiziert und getötet. Wer wird dafür zur Rechenschaft gezogen? Die Machtstruktur ist verschleiert.

Und um zu der Frage vom Anfang nach dem möglichen Bewusstsein einer KI ihrer selbst zurück zu kehren:

Einem aufziehbaren Spielzeughündchen, das seine Beine bewegt, würde man ein Hundebewusstsein doch eher nicht zugestehen. Eine KI, so beeindruckend sie auch sein mag, ist nichts anderes.

Die KI wird zur Künstlichen Inkompetenz, zu einem Künstlichen und nur zu realen Inferno, wenn wir sie nicht behutsam und weise verwenden. Mit Achtsamkeit und menschlichem Bewusstsein.


Verweise:

1 https://envdigital.blogspot.com/2013/09/history-of-humanoid-robots-in-pictures.html

2 https://de.wikipedia.org/wiki/Deep_Learning

3 https://www.sheldrake.org/books-by-rupert-sheldrake/a-new-science-of-life-morphic-resonance

4 https://wiki.yoga-vidya.de/Atman

5 https://netzpolitik.org/2024/interview-mit-rainer-rehak-die-nutzung-solcher-ki-systeme-muss-als-kriegsverbrechen-eingestuft-werden/

Der Beitrag wurde am 24. Mai 2024 überarbeitet.

 


1 response

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  1. Lieber Christoph,

    Dein Artikel über Künstliche Intelligenz (KI) wirft einige wichtige Bedenken auf, die es wert sind, diskutiert zu werden. Ich möchte jedoch einige alternative Perspektiven anbieten, die die Möglichkeiten und Fortschritte in der KI-Forschung und -Anwendung beleuchten.

    ☀️ Programmierereinfluss und Trainingsdaten

    Du erwähnst, dass die KI von den Programmierern gesteuert wird, die ihre eigenen Überzeugungen einfließen lassen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass moderne KI-Systeme oft auf umfangreichen Datensätzen basieren, die aus der Interaktion vieler Menschen stammen. Diese Daten reflektieren eine breite Vielfalt menschlicher Erfahrungen. Zudem bieten Open-Source-Modelle eine Transparenz, die es der Community ermöglicht, den Entwicklungsprozess zu überwachen und zu beeinflussen. Dies kann zu einer ausgewogeneren und gerechteren KI beitragen.

    🧠KI und menschliche Intelligenz

    Deine Bedenken, dass KI niemals echte menschliche Intelligenz erreichen oder sich mit dem morphogenetischen Feld verbinden kann, sind verständlich. Allerdings nutzen KI-Systeme ihre Fähigkeit, große Datenmengen zu analysieren, um Lösungen für Probleme zu finden, die Menschen allein schwer lösen könnten. Sie erweitern unsere Fähigkeiten und sind besonders nützlich in Bereichen wie der medizinischen Diagnostik und der Umweltüberwachung.

    💚Ethik und KI

    Die ethische Gestaltung von KI ist ein kritischer Punkt. Es stimmt, dass KI-Systeme die Werte ihrer Schöpfer widerspiegeln können. Deshalb ist es entscheidend, dass KI-Ethik ein aktives Forschungsgebiet bleibt und dass Richtlinien entwickelt werden, die faire und ethische Anwendungen sicherstellen. Organisationen weltweit arbeiten daran, diese Prinzipien zu stärken.

    🙋‍♀️Menschliche Kontrolle und Überwachung

    Du äußerst Bedenken über ein übermäßiges Vertrauen in KI. Es ist jedoch wichtig, KI als Werkzeug zu sehen, das Menschen unterstützt, nicht ersetzt. Durch die richtige Integration und Steuerung können KI-Systeme dazu beitragen, menschliche Fähigkeiten zu erweitern, ohne unsere Entscheidungsfähigkeit zu untergraben.

    💫Transparenz und Kontrolle in KI

    Deine Sorge, dass KI unkontrollierbare Wege gehen könnte, ist nicht unbegründet. Dennoch fördert die Entwicklung von dezentralisierten und Open-Source-KI-Modellen eine größere Transparenz und ermöglicht es der Gemeinschaft, aktiv an der Gestaltung und Überwachung teilzunehmen. Dies kann dazu beitragen, die „Black Box“-Natur vieler KI-Systeme zu verringern und ihre Anwendung verantwortungsvoller zu gestalten.

    Christoph, ich hoffe, diese Perspektiven bieten Dir einen Einblick, wie wir die KI-Technologie positiv nutzen und gleichzeitig ihre Herausforderungen angehen können. Es ist wichtig, dass wir diese Diskussionen weiterführen und gemeinsam daran arbeiten, die KI so zu gestalten, dass sie der gesamten Menschheit zugutekommt.

    Herzliche Grüße,
    Claudia