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Morgenstern des Christ(ian)

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Eine Moritat von Hubertus Dessloch

 

Morgenstern des Christ (-ian)

für Leute von heute,
Mensch, hör‘ auf dies Geläute!

Für wahr,
wie Wenig
ist uns klar!

Umbruch tönt’s aus allen Ecken.
Disruption soll Investment wecken

Epochenwende mahnt Meinhard Miegel[1]
Doch überall macht man den Igel.

Kritik der Freiheit von Ottfried Höffe[2]
Was hilft‘s, wenn man das Buch nicht öffnet.

Der Westen schwankt, Beweis erbracht
von Udo di Fabio[3]
politisch bleibt das außer Acht.

Nur Fußball säuft der deutsche Michel
und wird bedient vom Medientische.

Aufklärung tönt’s seit 300 Jahr‘
Wann endlich wird das bei uns wahr?

Den „Deutschen Genius“ lobt ein Brite[4],
In White Hall plant man andere Schritte.

„Traumwandler“[5] zündelten vor 100 Jahr‘
zur Höllenfahrt, o wunderbar!

„Nie wieder Krieg“ nach Weltkrieg 2,
Steve Bannon[6] ist das einerlei,

War da nicht einst ein Staatsrechtslehrer,
Carl Schmitt[7] und seine US-Verehrer[8]?

Doch weder rechts, noch links, o Schande,
weckt man den Michel auf im Lande.

Gedüngter Humus für die Spart‘
der Ideologen andrer Art.

Die Stund‘ der Wahrheit ist gekommen,
betrachten wir sie unbeklommen:

Dramatisch zeigt sich heut‘ erneut,
dass Geist und Herz uns sind zerstreut.

Dass Freiheit heut‘ Entgrenzung[9] ist.
Wo bleibt der Mensch, der edle Wicht?

Wo Anker werfen?
Wohin gehen?

Selbstentfaltung? Ellenbogen?
Wir alle wurden so betrogen.

Der Mensch sucht nach Geborgenheit,
nach Hoffnung, Schönheit, Lieblichkeit.

Aus dieser Sicht Gemeinschaft wächst,
sofern man so eine Beispiel setzt.

Wir kennen heute alle diese …..ismen
Kulturersatz und viele Schismen.

Es dröhnt um uns, doch ist’s vergebens.
Es sind nur Drogen kurzen Lebens.

Der Mensch, der ist Natur!  –
Und er allein schafft die Kultur[10],

benötigt sie zum Überleben,
so stirbt er nicht an Mangel:  –  eben!

Drum wirtschaftet er in dieser Welt,
doch nicht allein für Gut und Geld.

Nehmt Maß an Mose und Propheten
Man warnt schon damals vor Moneten.

Drum glaubt mir, was ich hier bezeuge,
wer Gott sucht, der gewinnt an Freude.

Und leise, still, ganz nebenbei,
veredelt sich das Einerlei

durch Empathie,
statt Entropie.[11]

 

© Hubertus Dessloch 2/2017

 

Anhang

Wie ist der Begriff Empathie zu verstehen?

  • Wörtlich: Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen.
  • Im Neuen Testament (NT): Heilung der Blinden und Lahmen; Ratschläge für ein gesundes Leben (Bergpredigt Matthäus 5,1 – 7,29) und das alles aus Liebe = Empathie
  • In der Philosophie des 20. Jahrhunderts nach 2 Weltkriegen: Empathie als „Anker“ für Verantwortung (Emanuel Levinas u.a.)
  • In der Psychologie: Sich in die Eigenart eines Gegenüber einfühlen können (Viktor Frankl)
  • Kultur übergreifend: Die goldene Regel „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen“ (NT, Mt. 7,12)

Wie ist der Begriff Entropie zu verstehen?

  • Wörtlich: Ent-wärmung;
  • In der Physik (Thermodynamik): Wärmetauscher
  • In der Chemie: Maß der Unordnung;
  • In der Medizin: Prozess des Absterbens;
  • In der Kulturgeschichte: Dekadenz.
  • Zustände in der Stadt Rom um 5oo n. Chr.: Flucht des Studenten der Rechte (später: Hl Benedikt) aus der Stadt Rom in die Höhle bei Subiaco zur Selbstfindung, später Monte Cassino; dort Niederschrift der Mönchsregel Regula Beneticti: ora et labora et lectio divina (Bildung-Kolsterbibliotheken-Schulen-Hochschulen). Das „et“ wurde Grundlage einer Hochkultur, der europäischen!
  • Die Moderne im Zustand des Kulturversagens, vgl. vorstehende Moritat nebst angegebenem Quellenmaterial.


[1] Meinhard Miegel, „Epochenwende – Gewinnt der Westen die Zukunft?“, Berlin 2005


[2] Ottfried Höffe „Kritik der Freiheit – Grundprobleme der Moderne, München 2015


[3] Udo di Fabio „Schwankender Westen – Wie sich ein Gesellschaftsmodell neu erfinden muss“, München 2016


[4] Peter Watson „Der Deutsche Genius – Eine Geistes und Kulturgeschichte von Bach bis Benedikt XVI“, München 2010


[5] Christopher Clark „Die Traumwandler“, München 2015;


[6] ECONOMIST; February 4th -10th  2017 “An Insurgent in the White House”; TIME-Magazin, February 13,2017: „Steve Bannon, Chief White House Strategist: The great Manipulator“


[7] Carl Schmitt 1888 – 1985: „Das Wesen der Politik ist die Unterscheidung zwischen Freund und Feind“ in „Der Begriff des Politischen“, München 1927


[8] Leo Strauss 1899 – 1973,  „Anmerkungen zu Carl Schmitts Der Begriff des Politischen“ 1932 ; Allan Bloom „The Closing of the American Mind“ New York 1987.


[9] Peter Graf Kielmannsegg „Populismus ohne Grenzen – Im demokratischen Kontext weist eine erfolgreiche populistische Bewegung immer auf die Schwäche des repräsentativen Systems hin. Was aber ist die Ursache des jüngsten Prozesses politischer Entfremdung?“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 37, vom 13. Februar 2017


[10] Karol Wojtyla Johannes Paul II „Von der Königswürde des Menschen“ Libreria Editrice Vaticana, Rom 1979; deutsch bei Seewald, Stuttgart 1980; ders. „ Erziehung zur Liebe“, LIbreria Editrice Vaticana, Rom 1979, deutsch bei Seewald, Stuttgart 1980. –  George Weigel „ Jean Paul II – Témoin der l‘ espérance“, Lattès Paris 1999.- Original Wittnes of hope – The Life of Pope John  Paul II, Harper Collins, Pulisher,New York. – Dazu  Neuerscheinung: Frido Mann, Christine Mann “Es werde Licht – Die Einheit von Geist und Materie”, Frankfurt 2017 ; ein Lesebuch zur Deutung der Welt aus der Sicht der Quantnphysik.


[11] Erläuterung der Begriffe, vgl. Anhang.

 


Dr. jur. Hubertus Dessloch, Ministerialdirigent a.D., Vorstandsmitglied der Internationalen Akademie für Philosophie, München/Vaduz

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Textes.